Am Berg nach Geschichten tauchen

Das Projekt «file sharing» bietet Gesprächsrunden zu künstlerischen Strategien. Hans Ruedi Fricker hat die Besucher im exex mit Geschichten bewirtet.

Von Ursula Badrutt Schoch

 

 

Ein massiver Holztisch steht im Raum, ein paar Stühle: Der Alpsteintisch. Hans Ruedi Fricker nutzt den Anlass und lanciert ein neues Teil in seinem langsam wuchernden Projekt. Ein Tisch zum drüber und drum herum reden, über den Alpstein, das Wandern, die Wissenschaft, die Kunst.

Hans Ruedi Fricker, einst umtriebiger Aktivist im St. Galler Untergrund, hat sich in luftige Höhen geschwungen. Das Alpsteinmuseum besteht aus einem Verbund von 28 Berggasthäusern, die sich mit einer Email-Tafel zu ihrer Museumsfunktion bekennen. Neben der Bibliothek erhalten sie im zweiten Jahr des Bestehens einen Kiosk mit hochpoetischen Souvenirs und einer informationsreichen Postkarten-Serie. Das Alpsteinmuseum verlangt Fricker (wie natürlich auch den Besuchern) nicht nur körperliche Anstrengung ab. (Schwellenangt bedeutet hier durchschnittlich 90 Minuten Fussmarsch.) «Das Alpsteinmuseum,» warnt Fricker, «verführt die Leute, lenkt sie vom vorgegebenen Weg ab, bringt sie in schwindelerregende Situationen.» Mit Lust und Hingabe streift er durch die Landschaften und Geschichten des Säntismassivs, er beobachtet, trifft sich mit Experten wie Sennen, Geologen, Kletterern, hört zu und sammelt. Und erzählt. Wie ein Höhlenforscher wandert er mit seinen Zuhörern durch das vielfältige Büchergelage. Und aus den einzelnen Schriften wachsen wiederum Geschichten, die sich mit anderen kreuzen und verbändeln, bis Albert Heim und Spelterini, Ekkehard und Emil Bächler samt dem Fricker abheben und den Berg unter sich lassen.

 

 

 


Der Artikel erschien am 5. April 2003 im St.Galler Tagblatt.
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Text-URL http://www.wortwerk.ch/file_sharing/dokumentation/sgtb_030405.html