journal_23.06.2001

 

 

ganze kette von verknüpfungen:
zoé schreibt von MUSSET (um das pariser leben zu beschreiben: vielleicht wie es war?). ich dachte an FLAUBERT. (vielleicht weil ich zuletzt in paris madame bovary nachgeholt hatte: vielleicht wegen dem schnauz. haben eigentlich alle alten franzosen diese SCHAUZBÄRTE? zoé fragen: sie ist schliesslich die spezialistin.) jedenfalls liess ich alles stehen und fallen und setzte mich in die sonne um den COSIC fertig zu lesen: nachdem ich mir schon gestern beim HERUMGEHEN in der stadt überlegt hatte, wie das bei monsieur BERNHARD schon wieder gewesen war, mit dem zusammenhang (dem zusammengang) zwischen GEHEN und DENKEN. und jetzt die vermutung, dass, falls sich die gedanken zu KETTEN verknüpfen - zum beispiel beim gehen, zum beispiel beim denken - keine zufälle mehr möglich sind, oder dann nur noch: und die sogenannten zufälle zufällig nach zusammenhängen aussehen. weil auch beim denken ein schritt auf den andern folgt. auto matisch: von selbst. ohne logik. zufällig.
«[...] bin ich viel umhergegangen. ich bin durch alle strassen gestreift, die grossen und die kleinen, und sogar durch die sackgassen, die auf einem hof endeten. ich bin ganze nächte gegangen. ich bin am morgen und in der abendämmerung gegangen. [...] ich hätte einen umhergehenden roman verfassen können, dessen einziger inhalt mein umhergehen gewesen wäre. einen roman, der auch entsprechend geheissen hätte: umhergehen oder ich gehe umher oder wie ich umhergegangen bin. in diesem roman, einem zwar ungeschriebenen, aber in meinem bewusstsein durchaus existenten roman wird von einem menschen erzählt, der in einer düsteren stadt umhergeht und denkt, er könne durch das gehen der tiefen verzweiflung entkommen, die denjenigen, der nicht umhergeht, beherrscht. wahrscheinlich fühlen diejenigen, die nicht gehen, eine stärkere beklemmung als diejenigen, die ständig in bewegung sind. ein mensch im gehen, der zudem noch verzweifelt ist, denkt unentwegt, diese verzweiflung werde sich jeden augenblick aufhalten lassen, er müsse nur weitergehen, ohne nachzudenken, die beklemmung werde aufhören, wenn ich an die und die ecke komme und über den und den platz gehe. aber wenn das dort nicht eintrifft, dann gebe ich meiner verzweiflung eine weitere gelegenheit zu verschwinden, bis zu der und der litfasssäule oder ein stückchen weiter, an der grossen uhr. als könnte diese uhr regulierend auf meine stimmung einwirken und als würde meine verzweiflung, sobald sie die riesigen zeiger wahrnimmt, von selbst weichen. dann bleibt sie ein weiteres mal aus, die erleichterung, die jeder vom gehen erwartet. [...]» COSIC, zollerklärung.

 

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